Kaleidoskop
Fast 80 Jahre lang wurden die 25 Capricen Sigfrid
Karg-Elerts als bloße Studienliteratur für
Nachwuchsmusiker verstanden. Bislang ist weder
eine öffentliche Aufführung noch eine Aufnahme
bekannt. Nun rückt der renommierte Saxophonist
Christian Peters sie ins Rampenlicht und knüpft damit
an seine erfolgreiche Ersteinspielung der Werke von
Jean-Baptiste Singelée bei MDG an. „Christian
Peters, playing soprano, alto, tenor, and baritone
saxophones, displays a love for the classical roots of
his instrument.“ (musicweb)
Verdacht
1877 in Oberndorf am Neckar auf den Namen
Siegfried Theodor Karg getauft, folgte in Leipzig eine
Ausbildung zum Lehrer und Kantor. Erste
Kompositionen verschafften ihm Zugang zu einer
Anstellung als Klavierlehrer in Magdeburg. Hier drängt
man, seinen „semitisch verdächtig“ klingenden
Namen zu ändern, so dass sich der Musiker fortan
Sigfrid Karg-Elert nennt. Nach dem Weltkrieg ist Karg-
Elert bis zu seinem Tod 1933 am Leipziger
Konservatorium tätig.
Familienbande
Im Jahr 1929, an der Wende von Spätromantik zur
Moderne entstanden, atmen die Capricen noch
deutlich spürbar den Geist des frühen 20.
Jahrhunderts. Christian Peters präsentiert mit ihnen
die ganze Familie der Saxophone und demonstriert
damit die Bandbreite der möglichen Tonlagen und
Klangfarben. Hier erklingt der tiefe Bariton wie ein
einfühlsames Cello, dort brilliert der schrille Charakter
einer Caprice besonders mit dem Sopran-Saxophon.
Eine überzeugende Klangregie, die die Weiten des
Instrumentariums perfekt auslotet.
Wendehammer
Die Sonate wendet sich – ihrem Namenzusatz
„atonal“ entsprechend – voller musikalischen Humors
und Witz der Moderne zu, jedoch ohne radikal mit der
tonalen Tradition zu brechen und sich dem Stil der
Capricen wirklich zu entfremden. Absolut angenehm
fürs Ohr ist es unvorstellbar, dass dieses Werk bisher
noch nicht von Saxophonisten entdeckt wurde. Hier
hat Christian Peters faszinierendes Neuland für
dieses noch junge, aber heute so populäre Instrument
erschlossen.