Panorama
Wie kann man heute noch zeitgemäß traditionelle
Kammermusik komponieren? Alexander Asteriades
gelingt mühelos der Spagat zwischen
ambitioniertem künstlerischem Anspruch und
erfrischend zugänglicher Klanglichkeit. Inspiration
findet er häufig in literarischen Vorlagen, so auch in
seinem Streichquartett und natürlich den neun
Liedern, die einen attraktiven Blick in die
musikalische Vorstellungswelt des Komponisten
geben.
Meerstern
Im Zentrum des dreiteiligen Streichquartetts steht
ein Ricercar über den Hymnus „Ave maris stella“, in
dem Asteriades sehr konsequent kontrapunktische
Techniken einsetzt. Eduard Mörike liefert die
Vorlage für den ersten Teil, während der dritte auf
einen Satz von Nikos Katsantsakis verweist: „Heil dir
Mensch, zweibeiniges zerrupftes Hähnchen…“.
Geschickt verbindet Asteriades die klassische
Rondoform mit programmatischer Ausdeutung -
Kikeriki inbegriffen…
Pfadfinder
Der Tonsatz ist durchaus tonal, auch wenn es keine
Dreiklangsbezüge gibt. Das Giocoso String Quartet
präsentiert die Harmonik aus Quinten, Quarten und
Ganztonsequenzen meisterhaft. Als Komponist ist
Asteriades Autodidakt: als Geiger,
Musikwissenschaftler und Doktor der Philosophie ist
er aber hörbar bei den großen Meistern aus 6
Jahrhunderten in die Lehre gegangen, die ihn auf
einen ganz eigenen Weg gebracht haben.
Horizont
Ursula Thurmair und Jörg Gottschick singen die
Lieder auf Texte von Walter von der Vogelweide bis
Joachim Ringelnatz, die Paul Rivinius mit feinem
Klavierspiel begleitet. Ganz in der Tradition des
klassischen Klavierlieds des 19. Jahrhunderts
erweitert die Musik die zauberhaften Gedichte um
eine neue Bedeutungsebene, gesanglich komponiert
und dennoch in zeitgemäßer Tonsprache, wie es
heute selten zu hören ist.
Rezensionen
Der 1941 geborene Alexander Asteriades hat in Erlangen Philosophie und
in München an der Musikhochschule studiert. Als Komponist ist er
Autodidakt. Seine Musik wurzelt tief in der Tradition des 19.
Jahrhunderts und bewegt sich weitgehend im Rahmen einer erweiterten
Tonalität. Asteriades geht es nach eigenem Bekunden darum, „aus der
Sackgasse der Tonalität herauszukommen“. Das kann man zweifellos als
rückwärtsgewandt empfinden, trotzdem verführt diese Musik zum Hinhören,
sind seine Vertonungen keine Allerweltsware. Fast immer gelingt ihm ein
origineller Zugang zu den meist klassischen Texten. Asteriades ist ein
Einzelgänger in der Nachfolge Wilhelm Killmayers und kümmert sich wie
jener nicht um herrschende Trends. Mit dem hervorragenden,
ausdrucksstarken Bariton Jörg Gottschick und dem engagiert
musizierenden, vielfach ausgezeichneten Giocoso String Quartet konnte
Asteriades Musiker von Rang für seine Musik gewinnen.“ (Klassik Festival)
"Die Wiedergabe lässt keine Wünsche offen. Jörg Gottschick... ist ein uneitler und damit sehr geeigneter Mittler der Texte... die Mezzosopranistin Ursula Thurmair... mit stimmlicher Frische und munterem Vortrag. Paul Rivinius deutet seinen pianistisch attraktiven Part mit Verve und Feingefühl aus. Einen glänzenden Eindruck hinterlässt das... Giocoso String Quartet... Das natürliche und plastische Klangbild kommt der Musik und dem Vortragsstil der Künstler sehr entgegen." (Klassik Heute)