existentiell
Liebe und Tod – das ewige Thema aller Kunst,
musikalisch zu höchster Vollendung gebracht in
Wagners „Tristan“. Hermine May und Manuel Lange
widmen sich „Isoldens Liebestod“ – natürlich als
Höhe- und Schlusspunkt eines fulminanten
Programms, das über die Wesendonck-Lieder und
neun Mélodies des glühenden Wagner-Enthusiasten
Henri Duparc mit existentieller Wucht auf die
tödliche Ekstase der Isolde zuläuft.
dramatisch
Auch wenn die zyklische Anlage von Duparc vielleicht
gar nicht beabsichtigt war: Die Auswahl der
Mélodies, die May und Lange hier präsentieren,
durchmessen alle Stationen der Liebe im „Tristan“,
von der verhaltenen Sehnsucht über die lustvolle,
freilich verbotene Erfüllung bis zum dramatischen
Ende.
lustvoll…
…und verboten ist auch Wagners Beziehung zu
Mathilde Wesendonck, deren Gatten der Komponist
sein bequemes Zürcher Asyl verdankt. Mit der
Vertonung der Gedichte seiner Geliebten nähert sich
Wagner dem „Tristan“-Stoff an; die fieberhafte
Atmosphäre ist besonders in „Im Treibhaus“ und
„Träume“ geradezu mit Händen zu greifen.
zukunftsweisend
Mays „Isolde“ glüht vor Leidenschaft und Hingabe,
noch gesteigert durch die Lisztsche Klavierfassung,
die Lange anstelle eines gewöhnlichen
Klavierauszugs spielt. Gerade die Gegenüberstellung
mit Duparcs Mélodies, die in ihren duftigen
Harmonien bereits weit über Wagner hinausreichen,
sorgt für so manchen Gänsehautmoment.
„Dieses Programm verzichtet offensichtlich auf die Struktur eines traditionellen Recitals und bietet stattdessen eine echte innere Dramaturgie. Henri Duparc (1848-1933) und Richard Wagner (1813-1883) werden hier nicht nebeneinander gestellt, sondern als zwei Seiten derselben Sache dargestellt, nämlich der Suche nach einer Liebe, die nur in der Selbstaufgabe Erfüllung findet. Die Stimme von Hermine May passt perfekt in diese Perspektive. Ihr dunkles, leicht verhaltenes Timbre besitzt eine emotionale Dichte, die niemals auf Effekte abzielt, sondern das Klangmaterial wie einen Denkprozess bearbeitet. Diese CD präsentiert sie als eine Künstlerin, die sich einer introvertierten Entdeckung des Repertoires verschrieben hat und sich von den Bereichen angezogen fühlt, in denen Musik an Philosophie, Mythos und die menschliche Psyche grenzt. Angesichts dieses Ansatzes spielt Manuel Lange eine entscheidende Rolle. Als analysierender und farbenreicher Pianist formt er die harmonischen Übergänge, verdeutlicht die inneren Schichten und schafft einen klanglichen Raum, in dem die Stimme atmen kann, ohne sich zu verlieren. Die Tonaufnahme strebt nicht nach Spektakulärem, sondern nach einer akustischen Echtheit, die einem auf Introspektion und emotionaler Dichte basierenden Programm (L’amour et la mort, Wesendonck Lieder, Mort d’Isolde) ideal dient. Für den audiophilen Hörer bietet diese Aufnahme ein reichhaltiges Klangmaterial, das sich perfekt für aufmerksames Hören und die feine Analyse der Klangfarben eignet. Eine interessante Neuerscheinung für einen guten Start ins Jahr 2026.“ (Opus HD)