Nebengeräusche

1. „Da ist dem Violinsolisten mitten im Konzert mit lautem Knall eine Saite gerissen - er griff die Geige des Konzertmeisters und spielte das Werk zu Ende - es war phantastisch ...“ Stellen Sie sich diese Szene einmal auf CD vor: Eben noch spielt der Solist, dann ein übles Geräusch, das Orchester spielt allein weiter, nach kurzer Zeit setzt der Solist wieder ein ... -
Warum können wir im life-Konzert solche Geräusche akzeptieren: hier raschelt das Programmheft, weiter hinten hüstelt’s, vorne fällt gar ein Notenpult um - aber spannend ist es trotzdem, und es gehört irgendwie dazu.
Bei der Musikwiedergabe zuhause sind solche Störungen äußerst hinderlich - „was ist das für ein Geräusch?“ Etwas ist nicht in Ordnung und schon ist der musikalische Film gerissen.

2. „Die CD ist defekt, im Track x, y + z ist immer wieder ein metallisches Geräusch (Klicken) zu hören - mein CD-Spieler ist in Ordnung ...“ Wir haben es natürlich überprüft: In diesem Fall handelte es sich um die einzige Klappe an einer historischen Oboe, die (auch historisch korrekt) beim virtuosen Auftreffen auf das Holz ein kleines Geräusch verursachte, das trotz aller Maßnahmen beider Aufnahme nicht zu vermeiden war.

3. Es sind nicht immer die technischen Geräusche, die korrigiert werden wollen: Natürlich gehört Atmen zur Musik und zum musikalischen Ausdruck, trotzdem versucht der Bläsersolist vor dem Einsatz leise zu atmen. Wie nun aber, wenn einer der begleitenden Streicher (für sich gesehen musikalisch auch sinnvoll) bis in den ersten Ton hinein hörbar einatmet??!! Natürlich bittet der Aufnahmeleiter um eine weitere Fassung mit der gebotenen Rücksicht auf bläserische Belange ...

4. Und manchmal erinnert erst das Magenknurren an die längst überfällig Mittagspause...

[Der Weg zur Klassik CD]