Akustik

„Akustik. Mit diesem aus der griechischen Sprache hergeleiteten Kunstwort bezeichnet man die Klanglehre, oder diejenige Wissenschaft, die sich mit der Natur des Klanges beschäftigt, und die einen Theil des Naturlehre ausmacht. Sie ist eine musikalische Hülfswissenschaft, die sich 1) über die Entstehungsart des Klanges, 2) über die verschiedenen Gattungen, und 3) über die Dauer desselben, 4) über den Grad der Geschwindigkeit, in welcher sich der Schall oder Klang fortpflanzt, 5) über den Wiederschall oder über das Echo, 6) über die Sympathie der Töne, und 7) über die besonderen Phänomene, die sich nicht aus den bekannten Eigenschaften des Klanges erklären lassen, verbreitet.“ (Kurzgefaßtes Handwörterbuch der Musik für praktische Tonkünstler und Dilettanten von Heinrich Christoph Koch, Leipzig 1807).

So etwas wie „gute Akustik“ gibt es streng genommen nicht, vielmehr handelt es sich um Hörerscheinungen, die subjektiv als angenehm, schön, als gut empfunden werden.
Daß angenehmem Klang physikalische Gesetze zugrunde liegen, ist seit Jahrtausenden bekannt. Nicht erst seit den Versuchen Pythagoras’, dem es mit einem einsaitigen Monochord gelang, den harmonischen Oberton-Aufbau der Klänge zu begreifen, schon im ersten Buch Mose (ca. 2000 v. Chr.) wird von Jubal, dem Stammvater der Geiger und Pfeiffer, berichtet.
Mit welcher Kompetenz die antiken Baumeister akustische Probleme gelöst haben, erstaunt uns noch heute beim Besuch eines griechischen Theaters, wenn etwa ein Rezitator völlig ohne Verstärkerelektronik bis in die letzten Winkel deutlich zu vernehmen ist.
In der Barockzeit fanden Merkwürdigkeiten wie Flüstergalerien offenbar größtes Interesse, wie Athanasius Kircher in seinem Werk Neue Hall- und Tonkunst (Nördlingen 1684) umfangreich beschreibt.
Daß sich auch die Komponisten (bewußt oder intuitiv) mit den akustischen Gegebenheiten ihrer Auffühurngsorte beschäftigt haben, zeigt etwa ein Vergleich der Generalpausen in Haydns Autograph der Londoner Sinfonien (notiert als ganze Pause) mit den früheren in Esterhazy entstandenen (Viertel-Pause): Der Nachhallverlauf am historischen Londoner Aufführungsort war entschieden länger als im fürstlichen Festsaal.
Mit dem Beginn der Schallaufzeichnung hatten sich alle Beteiligten den eingeschränkten Möglichkeiten der Technik unterzuordnen. Bekannt sind die Bilder sich gegen den Schalltrichter reckender Musiker bei den ersten phonografischen Aufnahmen.
Seit dem Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung haben sich in rasanter Entwicklung Peripheriegeräte eingestellt, die dem Toningenieur schier unzählige Mittel zu ‘Klangverbesserung’ an die Hand geben. War es zunächst scheinbar richtig, bei der Schallplattenüberspielung etwa die Höhen anzuheben, damit ihr schärferer Klang die Knister- und Knackgeräusche verdeckte, so führte nicht zuletzt die CD mit ihrer ‘ungestörten’ Wiedergabe zu einem Umdenken in der Aufnahmephilosophie: Weg von Produktionen mit steriler Studioatmosphäre, hin zu Aufnahmen in ausgesuchten Räumen in natürlicher Akustik.

[Der Weg zur Klassik CD]